Aktuelles
 26 Oktober 2017

Neuzelle lädt zum Künstler-Pleinair:
Putten erklären den Himmel


Die Stiftung Stift Neuzelle und der Landkreis Oder-Spree laden im nächsten Jahr zu einem Sandstein-Pleinair  ins Kloster Neuzelle ein. Sieben Bildhauer werden gesucht, die vom 13. Mai bis zum 02. Juni 2018 ins Kloster Neuzelle einziehen, um aus Sandstein-Blöcken eigene Beiträge zum Thema „Putten“ zu erarbeiten. Puttendarstellungen sind direkt auf dem Stiftsplatz zu finden, aber sie bevölkern auch den Himmel in beiden barocken Kirchen in Neuzelle: kleine, zumeist nackte Geschöpfe mit dicken Backen und auch sonst prallen Rundungen, bisweilen mit Flügeln versehen, in den Lüften schwebend und auf Wolken oder Architekturen lagernd. Sie balancieren Weltkugeln, musizieren auf den vielfältigsten Instrumenten, sind handwerklich tätig und beleben den Himmel über uns.

In barocken Kirchenbauten und damit auch in Neuzelle haben Putten vor allem zeigende und erklärende Funktionen, sie unterstützen damit das gegenreformatorisch beeinflusste pädagogische Programm der barocken Umgestaltung und sind Instrumente der religiösen Bildung und Vermittlung. In den beiden Kreuzaltären präsentieren sie die Attribute der Passionsgeschichte, auf der Orgelempore der Stiftskirche animieren sie mit Instrumenten zur musikalischen Praxis, in den Passionsdarstellungen nehmen sie mit dem Verweis auf Bibelzitate Stellung, als Pater-Noster-Engel vor der Stiftskirche weisen sie auf den Gottesdienst hin. Auch die Kindheit-Jesu-Allegorie, die ihren Ursprung im gegenreformatorisch geprägten Prag hatte und auch in Neuzelle gezeigt wird, fand große Verbreitung im Europa des 18. Jahrhunderts.

Auf eine volkstümliche und kindliche Art sind Putten Vermittler zwischen Himmel und Erde. Sie schweben geschlechtslos zwischen den beiden Sphären und versuchen das biblische und himmlische Leben verständlich zu machen. Soweit das barocke Original.

Heute sind Putten Lichtgestalten des Kommerzes und des Kitsches. Man findet sie überall: Auf Kaffetassen, auf Unterwäsche und als Schutzengel für den Rückspiegel im Auto. Ihr Einsatz ist universell, daran hatte Raffael nicht gedacht, als er seine beiden Flügelwesen unterhalb seiner Sixtinischen Madonna plazierte, die heute spitze Schreie bei japanischen Besuchergruppen in der Galerie Alter Meister in Dresden hervorrufen. Das Pleinair stellt deshalb auch die Frage nach dem Bruch in der aktuellen Betrachtung von Putten und Puttenvölkern.

Bewerbungen für die Teilnahme am Pleinair können bis 30. November 2017 bei der Stiftung Stift Neuzelle eingereicht werden. Zu den Bewerbungsunterlagen zählen ein Lebenslauf, ein Werkverzeichnis sowie fotographische Darstellungen einzelner Werke. Über die Teilnahme am Pleinair entscheidet eine Jury.

Die Unterbringung erfolgt in Räumlichkeiten des Klosters oder in angrenzenden Beherbergungsbetrieben. Die Teilnehmer erhalten Frühstück und Mittagessen sowie ein Stipendium in Höhe von 1.400,00 EUR. Ein Sandsteinblock (70 x 70 x 140) wird zur Verfügung gestellt, gearbeitet wird auf dem Stiftsplatz. Die Bearbeitung erfolgt ausschließlich in Handarbeit. Die geschaffenen Skulpturen können bis Ende Oktober im Außenbereich des Klosters präsentiert werden. Zwei Werke werden zum Preis von 4.000,00 EUR angekauft und sollen im Bereich des Klostergartens (3. Bauabschnitt) dauerhaft aufgestellt werden. Über den Ankauf entscheidet eine Jury.

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